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Der Klang macht die Musik




Wir machen uns meistens keine Gedanken, wie unsere Stimme ist. Dabei ist es äußerst hilfreich sich dieses uns sehr eigene Instrument bewusst zu machen.

Unsere Stimme läuft einfach so mit. Sie ist immer da, außer wir sind gerade krank. Dabei ist es schade, dass wir uns so wenig Gedanken um die Wirkung und die Möglichkeiten unserer Stimme machen. Denn unsere Stimme trägt die Botschaft, die wir senden. Deshalb hat sie auch einen großen Einfluss darauf, wie das, was wir sagen, bei unseren Hörern ankommt.

Um mehr Bewusstsein und Begeisterung für unsere Stimme zu schaffen, stelle ich heute ein paar Grundlagen aus meinen Stimmtrainings zusammen. Durch Tipps und Übungen verbessern Sie Ihren Stimmeinsatz und machen den ersten Schritt hin zu einer überzeugenden Sprache.

Warum hilft uns ein professionelles Stimmtraining?

„Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird, kurz, die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Pausen hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann.“ (Friedrich Nietzsche)

Ihre Stimme ist ein unverzichtbarer Teil jeder mündlichen Kommunikation. Deshalb hilft Ihnen ein bewusster Stimmeinsatz in nahezu allen Situationen des Alltags. Ob beruflich oder privat, mit dem richtigen Ton kommen Ihre Worte beim Zuhörer an.

Ein kleines Gedankenexperiment soll Ihnen das verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Durchsage im Zug. Würden die Fahrgäste eine freundliche, Vertrauen erweckende Stimme hören, die Ihnen vermittelt, dass das Zugpersonal alles im Griff hat und der Gast sicher und bequem ans Ziel kommt?

Tipps für eine bessere Stimme und eine gute Aussprache

Mithilfe einiger Tipps können Sie die Wirkung Ihrer Stimme selbst deutlich verbessern. Es geht vor allem darum, Ihrem Stimmorgan Raum zu geben, damit es optimal wirken kann.

1. Die richtige Körperhaltung

Wer gut steht spricht besser. Gut stehen heißt: so stehen, dass der Körper sich optimal ein-richtet. Jede Verkrampfung der Gesichts- und Halsmuskulatur, aber auch des Rumpfes und der Gliedmaßen wirkt sich ungünstig auf den Sprechablauf und die damit verbundene Stimmgebung aus. Aber auch Unterspannung führt zu artikulatorischen und stimmlichen Fehlleistungen. Sie sollten daher einen ausgewogenen Spannungszustand des Körpers anstreben. Stehen Sie frei und aufrecht, aber nicht verkrampft.

2. Richtiges Atmen

Richtiges Atmen ist die Grundlage für eine klangvolle Stimme und Voraussetzung für Stressabbau. Hektisches, „flaches“ Atmen führt zu einer gepressten Stimme, Atemnot und wachsender Nervosität. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Erst einmal tief durchatmen“. Gerade in Stresssituationen wird dem Gehirn Sauerstoff entzogen – die Denkfähigkeit lässt nach. Ein häufiger Fehler ist die sogenannte Hochatmung. Das heißt, Sie holen Luft durch den Mund und ziehen dabei den Bauch ein. Folge davon ist Atemnot und eine trockener Mund.

Gut ist die sogenannte „Tiefvollatmung“ oder Zwerchfellatmung. Nutzen Sie Ihre ganze Lungenkapazität aus! Atmen Sie durch die Nase ein und versuchen Sie, die Bauchdecke dabei nach unten zu drücken. Der Bauch wölbt sich dabei leicht vor. Beim Sprechen ziehen Sie den Bauch wieder ein.

3. Treffen Sie Ihren Stimmklang

Sprechen Sie in Ihrer natürlichen Stimmlage (Indifferenzlage). Dann kann Ihre Stimme einen vollen Klang und eine weite Tragfähigkeit erlangen. So ermüdet ihre Stimme am wenigsten. Versuchen Sie deshalb nicht, Ihrer Stimme durch eine künstliche Tonlage mehr Gewicht zu verleihen. Geben Sie Ihrer eigenen Stimme den richtigen Ausdruck.

4. Klare Artikulation

Wenn Sie sich in einer In einer Redesituation befinden, reicht es nicht „normal“ zu artikulieren. Mikrofon, Akustik und mögliche Unruhe im Saal, im Besprechungsraum oder eben in einem Zug, in dem Sie gerade die Durchsage machen, erfordern eine überdeutliche Aussprache. Grundsätzlich gilt das Folgende natürlich auch am Telefon.

  • Deshalb sprechen Sie „vorne“ an den Zähnen und Lippen. Benutzen Sie ihren Mund! Ihr Hals wird dadurch zugleich entlastet und die Deutlichkeit wird verbessert.
  • Betonen Sie Endkonsonanten und Endsilben: Die Atmung wird verbessert, der Schallschluckeffekt überwunden. Das ist wichtig in großen Räumen und bei Mikrofonen!
  • Sprechen Sie wichtige Wörter langsamer als gewohnt: Besonders Namen, Daten, Zahlen, Fremd- und Fachwörter. Versprecher werden so vermieden.

5. Achten Sie auf Ihre Stimmführung

Durch eine gelungene Modulation machen wir es dem Zuhörer bequemer uns zu folgen. Somit ist unser Text nicht nur inhaltlich gegliedert und strukturiert, sondern von unserer Stimmführung unterstützt. Die Zuhörer hören so nicht nur unsere Wörter, sondern erfahren auch gleich, wie die Botschaft gemeint ist. So können wir die Gefühle des Zuhörers direkter ansprechen. Zudem wirkt eine monotone Rede für den Zuhörer sehr ermüdend. Geben Sie deshalb dem, was sie zu sagen haben, die richtige Melodie.

Und? Wie kommt Ihre Durchsage bei den Reisenden an? Hätten Sie an alles gedacht? Dann muss nur noch Ihre Nachricht stimmen. Wie Sie die Verspätung argumentativ gut verpacken finden Sie in einem meiner nächsten Beiträge.

 

Ihre Dagmar Jesussek

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